Löwenstoff

Der Löwenstoff

Der Löwenstoff
Der Löwenstoff

Byzanz, 921-923 - Seide (Samit)

Der Löwenstoff ist sicher der prächtigste und bekannteste Stoff aus dem Siegburger Kirchenschatz. Gleichzeitig handelt es sich um das größte erhaltene Fragment, mit einem Maß von ursprünglich 80 x 230 cm. Er stammt aus der Produktion einer byzantinischen Staatsmanufaktur und lässt sich mit Hilfe der in der Inschrift genannten byzantinischen Kaiser Romanos I.(reg. 920-940) und Christophoros (reg. 921-931) gut datieren.

Er zeigt auf purpurviolettem Grund zwei Reihen mit jeweils drei Löwen, die in entgegengesetzter Richtung schreiten. An den Pfoten und Rücken der Tiere sind Zweige von Granatäpfeln zu sehen. Die Löwen und Zweige sind in der goldgelben Farbe der Roh-seide gehalten. Das Muster steht auf einem purpurfarbenen Grund, eine Farbe, die zu den kostbarsten überhaupt gehört. Sie ist seit der Antike den Herrschenden vorbehalten und wird aus der im Mittelmeer heimischen Purpurschnecke gewonnen.

Der Weg des Textils nach Siegburg ist nicht mehr nachvollziehbar. Möglicherweise gelangte es im Brautschatz der byzantinischen Prinzessin Theophanu (960-991) anlässlich ihrer Hochzeit mit dem späteren Kaiser Otto II. im Jahr 972 ins Reich nördlich der Alpen. Da Theophanu ihren Witwensitz in Köln nahm und dort auf eigenen Wunsch in der Kirche St. Pantaleon bestattet wurde, könnte es auf diesem Weg in den Kölner Kirchenschatz und danach in den Siegburger gelangt sein.

Stärkste Beschädigungen erlitt der Löwenstoff in Folge des Ersten Weltkriegs. Zum Schutz vor den seit 1918 in Siegburg einquartierten Truppen im Rahmen der Rheinlandbesetzung, mauerte man den gesamten Siegburger Kirchenschatz im Keller der Annokirche ein. Nach dem Truppenabzug aus der Stadt 1924 holte man die Reliquiare aus dem Versteck und stellte große Feuchtigkeitsschäden fest.

Der besonders betroffene Löwenstoff wurde zur Restaurierung in das Kunstgewerbemuseum nach Berlin gebracht, aber nicht mehr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurückgeholt. 1952 galt er zunächst als Kriegsverlust, wurde aber in den 1980er Jahren von Wissenschaftlern wiederentdeckt. 1999 kehrte er nach einer erneuten Restaurierung nach Siegburg zurück.